Programm zur Revitalisierung der Moore und Sümpfe im Böhmerwald

Verantwortliche: RNDr. Ivana Bufková, RNDr. František Stíbal, Ing. Eva Zelenková, Ing. Miloš Juha

Der Böhmerwald gilt traditionell als eines der best erhaltenen Gebiete der tschechischen Landschaft. Ungemein wertvoll sind insbesondere die Moorlandschaften im Böhmerwald, welche an die Natur im fernen Norden denken lassen. Leider wurden viele Moore in der Vergangenheit durch ein Netz von Meliorationskanälen entwässert, und das auch in relativ weit entfernten Gebirgsteilen. Die Entwässerung, die bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts eingeleitet wurde, betraf hier jedoch auch andere Sumpfarten, einschließlich umfangreicher Gesamtheiten versumpfter Waldgewächse. Das Hauptziel der Austrocknung der Sümpfe war die Steigerung der Holzproduktion, die Kultivierung landwirtschaftlichen Bodens sowie der Torfabbau. Am rasantesten ging die Entwässerung der Sümpfe vor allem in den 70. und 80. Jahren des 20. Jahrhunderts vor sich, als die Kanäle bereits mit Hilfe der Mechanisierung gegraben wurden. Einige Drainagen aus dieser Zeit erreichen tatsächlich erstaunliche Ausmaße. An manchen Stellen sind sie bis zu zwei Meter tief und drei Meter breit und führen eine erhebliche Menge an Wasser ab, die sonst im Sumpf erhalten bliebe.

Die Entwässerung hat allgemein für das Moor und andere Sumpfgebiete äußerst negative Folgen. Sie führt zu deren Austrocknung, es verschwinden seltene Pflanzen- und Tierarten, und in der Endphase kann es sogar zum Verschwinden des gesamten Sumpfgebiets kommen. Die Entwässerung hat allerdings negative Folgen für die Landschaft als Ganzes. Sie beschleunigt den Wasserabfluss von denjenigen Stellen, wo das Wasser einige Zeit verbleiben und in den Boden einsickern sollte. Wie schnell und wie wirkungsvoll, das kann man beispielsweise bei Überschwemmungen beobachten, bei denen sich das Wasservolumen in den Flussbetten sammelt und anwächst. In den entwässerten Gebieten sinkt der Grundwasserpegel, und diese Gebiete leiden dann unter Sommertrockenperioden. Eine Landschaft ohne Sümpfe hat zudem keine Möglichkeit abzukühlen und erwärmt sich.

Auf dem Gebiet des Nationalparks Böhmerwald wurde daher bereits im Jahr 1998 das Programm zur Revitalisierung der Sümpfe und Moore im Böhmerwald eingeleitet, dessen Ziel der Schutz wertvoller Sumpflandschaften sowie die allgemeine Schadensbehebung an der Wasserregulierung des Gebietes. Im Rahmen des Programms werden nicht geeignete Drainagen durch ein System fester Holzdämme überdämmt. Es handelt sich um eine relativ anspruchsvolle Aufgabe, denn alle Arbeiten werden üblicherweise in schwer zugänglichen Gebieten durchgeführt. Angesichts der hohen Empfindlichkeit der Sümpfe lässt sich außerdem keine Technik einsetzen, und sämtliche Arbeiten müssen manuell verrichtet werden. Die Dammkaskaden halten große Wassermengen auf, die durch die Meliorationskanäle aus den wertvollen Quellengebieten unnatürlich schnell abfließen. Daneben tragen sie auch zur Anhebung des Grundwasserspiegels bei und stellen einen Schlüsselmoment für den Schutz der im Gebiet lebenden einzigartigen Gemeinschaften von Sumpfpflanzen und Tierarten dar.

Im Rahmen des Programms werden Teilflussgebiete als Ganzes behandelt, und man rechnet schrittweise mit der Revitalisierung aller gestörten Sumpfganzheiten auf dem Gebiet des Nationalparks. Die Vorzugsgebiete für den Zeitraum 2002-2010 waren die Gebiete Modravské slatě (Modrava-Filz), Borovoladsko und Vltavský luh (Moldau-Auen). Aktuell wurde bereits die Revitalisierung in den oberen Gebietsteilen der Bäche Roklanský und Novohuťský, auf dem Filz Cikánské slatě, im Sumpf Černohorský močál, in der Umgebung der Aue Malý luh bei Volary und an anderen Orten eingeleitet. Insgesamt wurden mehr als 18km Entwässerungskanäle überdämmt und etwa 1500 Holzdämme errichtet. Bestandteil der revitalisierten Flussgebiete sind einzigartige Moorgebiete mit kleinen Seen und vielen seltenen Arten, die hier bereits seit dem Ende der Eiszeit leben. Im Rahmen des Programms wird des Weiteren und in Zusammenarbeit mit der Stadt Volary die Revitalisierung des industriell geförderten Torfgebietes Soumarský Most in der Umgebung des Vltavský luh gefördert. Die Kosten für die Umsetzung des Programms werden einerseits vom Budget der Verwaltung des Nationalparks sowie des Landschaftsschutzgebietes Böhmerwald und andererseits von den zugänglichen Dotationstiteln des tschechischen Umweltministeriums (MŽP) (Programm zur Revitalisierung der Flusssysteme) getragen. Man rechnet auch mit der Nutzung der Fonds, die nach dem Beitritt der Tschechischen Republik zur EU zugänglich sind.
Angesichts der Tatsache, dass sich die meisten Sümpfe im Böhmerwald in umfangreichen Quellgebieten und in oberen Flussgebieten befinden, haben die durchgeführten Revitalisierungsmaßnahmen eine erheblich breitere Wirkung. Als Ganzes tragen sie in erster Linie zu einer Steigerung der Wasserretention in der Landschaft bei, und in diesem Sinne können sie als wirkungsvolle Maßnahmen gegen Hochwasser funktionieren.

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