Pflanzenwelt

Die Waldflora und die Pflanzenwelt in Šumava stellt ein charakteristisches Beispiel der Mittelgebirgs-mitteleuropäischen Flora und Vegetation dar, hat aber auch eigene Besonderheiten, die vor allem durch die relative Nähe des Alpenbergmassivs gegeben ist. Šumava verfügt, von einigen kleinen Abschnitten des Gebirgsvorlandes abgesehen, nicht über eine allzu große Mannigfaltigkeit natürlicher Bedingungen. Auch die Pflanzenwelt Šumavas hat daher einen eintönigen Charakter, der eher durch anthropogene als durch natürliche Einflüsse bereichert wird.

Die Grundeinlage in den Phytogenfonds Šumavas geschah in längst vergangenen Zeiten der geologischen Vergangenheit der Erde. In seiner Ganzheit entspricht er daher dem mitteleuropäischen Gesamtbild, das durch Lage, Meereshöhenspanne, Klima und Klimaveränderungen im Laufe der Zeiten gegeben ist.

Kapitel

Regional phytogeografische Gliederung

Die regional phytogeografische Aufteilung akzeptiert vor allem die aktuelle Zusammensetzung der Flora und Vegetation, spiegelt jedoch auch die breiteren Vegetations- und florogenetischen Beziehungen sowie die Entwicklung der Pflanzenwelt einschließlich der Einflüsse menschlicher Aktivitäten wider. Auf dieser Grundlage grenzt sie in absteigender Hierarchie die innerlich einheitlichen Gebietseinheiten gegenüber den umliegenden Einheiten ab.

Aus phytogeografischer Sicht, im breiteren Kontext, liegt der gesamte Böhmerwald in der mitteleuropäischen Provinz des mitteleuropäischen Pflanzengebiets der Temperatzone Europas.

Der Vorböhmerwald und die niedrigeren Lagen des Böhmerwaldes gehören zum phytogeografischen Gebiet Mezophytikum, das charakterisiert wird als ein Gebiet der zonalen Vegetation des mitteleuropäischen Fallwaldes, die suprakolline bis submontane Vegetationsstufe einnehmend, mit einem mild ozeanischen Klima mit einem Übergang in leichte Kontinentalität (nach der Klimaeinteilung handelt es sich um einzelne Bereiche eines mild warmen Gebiets).

Abweichungen vom beschriebenen Rahmen, hervorgerufen durch die Höhenaufteilung des Gebiets Mitteleuropas, das Relief, das Klima, eventuell auch die lang anhaltenden Einflüsse des Menschen auf die Vegetation und Zusammensetzung der Pflanzenwelt, müssen als Äußerungen der Extrazonalität betrachtet werden. In Šumava fällt aus dem Rahmen des Mezophytikum die extrazonale Kälte liebende Bergflora - Oreophytikum, in der bis auf wenige Ausnahmen die Vertretung Wärme liebender Arten gänzlich fehlt. Sie nimmt hier die Vegetationsstufe montan bis supramontan ein (außerhalb der Tschechischen Republik bis subalpin). Der Klimaeinteilung zufolge handelt es sich um ein Kältegebiet.

Das Mezophytikum wird in den Verhältnissen Šumavas durch das Vorkommen krautreicher Buchen- und Tannenwälder (Eu-Fagenion, Galio-Abietenion) und saurer Vorgebirgsbuchenwälder (Luzulo-Fagion niedrigerer Lagen) charakterisiert. Eine Oberverbreitungsgrenze haben in der submontanen Stufe des Mezophytikum z.B. die Wintereiche, die Winterlinde, das Waldlabkraut, das Leberblümchen, das Berghartheu, die Färberdistel, die Fieder-Zwenke u.a sowie die Phytozenosen der Verbände Arrhenatherion, Molinion, Hyperico perforati-Scleranthion perennis, Prunion spinosae, Bromion erecti, Alno-Ulmion (gemeinsam mit der Traubenkirsche und der Schwarzerle).

Das Oreophytikum im Šumava wird charakterisiert durch den gemischten Fichten-Buchen-Tannenwald (oberer Rand Eu-Fagenion, Luzulo-Fagion höherer Lagen), durch klimaxe und versumpfte Fichten- und Tannenwälder (Piceion excelsae), oligotrophe Seen (Isoetion lacustris), ombrotrophe Feuchtgebiete (Sphagnion medii, Leuko-Scheuchzerion), Bergwiesen und Weiden. Eine Oberverbreitungsgrenze in der montanen Stufe des Oreophytikum haben beispielsweise die Sumpfkiefer, die Tanne, die Sommerlinde, die raublättrige Ulme, die Rispe, der Bitterklee, die Teufelskralle, die neunblättrige Zahnwurz, die Zwiebelzahnwurz, das Wald-Flattergras und viele andere. Hier beginnt vielmehr das Vorkommen typischer Gebirgsarten, wie z. B. Berg-Sauerampfer, Gebirgs-Frauenfarn, Wald-Hainsimse, Alpen-Flachbärlapp, Weiße Höswurz, Ostalpen-Enzian, Rippenfarn, Wald-Rispengras usw. In der supramontanen Stufe stellen die Borstgrasweiden (Nardion) und die Fragmente subalpiner Gemeinschaften in den Kars und den Quellgebieten bedeutende Formationen dar.


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