Pflanzenwelt

Die Waldflora und die Pflanzenwelt in Šumava stellt ein charakteristisches Beispiel der Mittelgebirgs-mitteleuropäischen Flora und Vegetation dar, hat aber auch eigene Besonderheiten, die vor allem durch die relative Nähe des Alpenbergmassivs gegeben ist. Šumava verfügt, von einigen kleinen Abschnitten des Gebirgsvorlandes abgesehen, nicht über eine allzu große Mannigfaltigkeit natürlicher Bedingungen. Auch die Pflanzenwelt Šumavas hat daher einen eintönigen Charakter, der eher durch anthropogene als durch natürliche Einflüsse bereichert wird.

Die Grundeinlage in den Phytogenfonds Šumavas geschah in längst vergangenen Zeiten der geologischen Vergangenheit der Erde. In seiner Ganzheit entspricht er daher dem mitteleuropäischen Gesamtbild, das durch Lage, Meereshöhenspanne, Klima und Klimaveränderungen im Laufe der Zeiten gegeben ist.

Kapitel

Flora

Die Gesamtzahl höherer Pflanzen innerhalb des gesamten Oreophytikum in Šumava mit leichtem Übergriff in das Mezophytikum (das Gebiet des aktuellen Landschaftsschutzgebiets + NP Šumava) lässt sich auf etwa 1260 Taxone schätzen. Davon kommen im Rahmen des eigentlichen Nationalparks mehr als 500 Arten vor.


Übersicht der protektionistisch bedeutenden Taxone

  Geschützte Arten
  I - kritisch gefährdet II - stark gefährdet III - gefährdet Gesamt
Böhmerwald 15 36 37 88
NP ŠUMAVA 10 29 30 69
NATURSCHUTZGEBIET ŠUMAVA 11 27 29 67

Der absolute Großteil der protektionistisch bedeutenden, gefährdeten und geschützten Arten (etwa 80 %) innerhalb des Oreophytikum Šumavas ist in Nichtwaldformationen konzentriert, und davon haben erneut die Ökosysteme der offenen Wiesenzone die größte Bedeutung, in der grob geschätzt mindestens 60 % der Gesamtartenvielfalt Šumavas und beispielsweise 70 % kritisch gefährdeter Arten usw. vorkommen.

Für das Gebiet des Nationalparks sind die entsprechenden Taxonenanteile in den Wiesenformationen etwas geringer. Ursache ist die niedrigere verhältnismäßige Vertretung der offenen Zone und die natürlicherweise relativ kleinere Artenvielfalt der Wiesen und Weiden in höheren Lagen. Trotzdem ist mehr als offensichtlich, dass die offenen Wiesenformationen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Verwaltungsstufen eine wesentliche Bedeutung für den Erhalt der aktuellen Artenvielfalt des Nationalparks Šumava haben. Das ist aus botanischer Sicht der grundlegende Ausgangspunkt, von dem aus sich die Grundphilosophie des gesamten Verwaltungsplans ableitet.

Die derzeitige Flora und Vegetation formierte sich im Grunde in den letzten 15 - 20 tausend Jahren im Zeitraum der späten Eiszeit und in der Nacheiszeit. In diesem relativ kurzen Zeitraum wechselte sich in Mitteleuropa eine Reihe oft wesentlich unterschiedlicher Vegetationsformationen mit dem Prozess der säkularen Vegetationssukzession ab. Das Abklingen der letzten Eiszeit und einige weitere Jahrtausende des Holozäns, als sich die Natur gänzlich ohne menschliche Eingriffe entwickeln konnte, charakterisiert die allmähliche schwankende Klimaerwärmung und Befeuchtung. Zum Ende des letzten Glazials und in den frühesten Phasen des Holozäns begannen sich auch die meisten großen Feuchtgebiete in Šumava in Form von Quellmooren zu bilden. Die offene periglaziale Tundra wurde schrittweise vom Wald abgelöst, der je nach der Höhengliederung des Gebirges und den edaphischen Verhältnissen differenziert ist. Mit der Stabilisierung des Klimas und damit auch der natürlichen Vegetationsdecke endete praktisch die Formungszeit der ursprünglichen Flora, die in Bezug auf die Zusammensetzung überwiegend aus lokalen Quellen entstanden war.

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