Leblose Natur

Seinen unvergesslichen Charakter drückte Šumava die leblose Natur ein und beeinflusste dabei die Vielfalt und den Artenreichtum der lebendigen Natur. Die geologischen Prozesse bedingten wesentlich die Höhenstruktur der Landschaft, schufen einen Formreichtum ihrer Oberfläche, und gemeinsam mit den klimatischen Bedingungen formten sie die Wasserverhältnisse und die Bodenarten.

 

Hundertmillionen Jahre geologischer Geschichte sind die Hauptquelle der Vielfalt der Landschaft Šumavas. Ihre Oberfläche wurde einige Male von gebirgsbildenden Prozessen gehoben, einige Male geebnet und dabei gespalten und durch Erosion zerklüftet. Nach Entfernung mehrerer Kilometer der Erdkruste durch Witterungsprozesse und Abtragung kamen Gesteine an die Oberfläche, die sich weit unter ihr gebildet hatten. Vor allem hier findet man verschiedene Arten von Gneis und Granit, die zwei in Šumava vorherrschende Gesteinsgruppen repräsentieren, nämlich das gewandelte Gestein und das Tieferuptivgestein.

Widerstandsfähigere Gesteine, die der Witterung und Abtragung widerstehen konnten, überragen heute die Umgebung als bizarre Felsenformationen oder mächtige Geländeerhebungen, welche die Gestalt der Landschaft bereichern.

In den jüngsten geologischen Perioden entsandte eine ganze Reihe von Berggletschern ihre Zungen ins Tal hinab. Übrig blieben steile Felswände der Gletscherkare und eine Menge abgetragenen Materials, das in Form von Moränenwällen bisher das Seewasser zurückhält. Die Wirkung der Gletscher formte auch den Berg Plöckenstein (Plechý), den höchsten Gipfel auf der tschechischen Seite des Böhmerwalds. Auch für die Gestalt des mächtigen Großen Arbers im benachbarten Bayern, unweit der tschechischen Grenze, zeichnet ein Gletscher verantwortlich.
Der Kubany (Rulový Boubín) mit seinem berühmten Urwald hat auf seinen Hängen ein Gesteinsmeer aus gespaltenen Gesteinsblöcken, getrennt durch wechselndes Vereisen und Auftauen.

In das Gesteinsmassiv von Šumava schnitten sich und schneiden sich die Wasserläufe der Flüsse Vydra und Křemelná ein und graben hier ihre tiefen, schluchtartigen Täler. Auf der flachen und leicht welligen Oberfläche von Pláně, dort, wo sich das Wasser ansammelt, gibt es ausgedehnte Moore, auf denen man auch Pflanzenarten vorfindet, die aus der Eiszeit stammen.

Für den aufmerksamen Beobachter oder Besucher Šumavas kann die leblose Natur nicht nur zu einem interessanten Lehrbuch werden, das einen Überblick über die eigene lange und bunte Entwicklung verschafft, die auch in unserer Zeit verläuft. In vielen Fällen ist sie nämlich der Schlüssel zum Begreifen der Gesetzmäßigkeiten und Prozesse, die das Geschehen in jenem Teil der Natur bestimmen, deren Prinzip das organische Leben ist.

 

Kapitel

Pedologie

Das Gebiet zeichnet sich trotz seines insgesamt bergigen Charakters mit einem Übergewicht saurer Substrate durch einige Besonderheiten aus, die es aus naturwissenschaftlicher Sicht von anderen Höhenzügen in der Tschechischen Republik unterscheiden. Diese Besonderheiten kommen dann auch im Charakter des ursprünglichen Deckgebirges zutage.

Von den angedeuteten Spezifiken ist das vor allem die große mittlere Meereshöhe des Gebiets, die nur in einigen wenigen Abschnitten unter 600 M. ü. d. M. fällt und damit eine bedeutendere Durchsetzung von Böden niedrigerer Lagen ausschließt. Des Weiteren handelt es sich um eine relativ geebnete Oberfläche vor allem im zentralen Gebietsabschnitt, die günstig auf die Entwicklung semihydromorpher und hydromorpher Böden einwirkt, und schließlich herrscht im Vergleich zu anderen Höhenzügen in Böhmen und Mähren ein insgesamt milderes Klima. Dieser Klimacharakter ist wohl durch die etwas südlichere Lage innerhalb der Republik bedingt, aber wahrscheinlich auch vom Wirken des Alpenföhns. Das Ergebnis dieses Wirkens ist dann die veränderte Bodenzoneneinteilung des Gebiets, bei der einzelne Zonen in höhere Meereshöhen eingreifen als bei anderen Höhenzügen.

Die geologischen, pedologischen und geomorphologischen Bedingungen bilden die Grundvoraussetzungen für die Entwicklung der Vegetation und das Regime des Grund- und des Oberwassers. Das Studium dieser Bedingungen in Bezug auf die Vegetation ist die Hauptaufgabe zur Bestimmung des Wasserschutzes und des Schutzes der Vegetation als Ganzes.

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